Stillförderung Schweiz

Fachtagung 2018 Zürich

 

 

Unsere Stiftungsratspräsidentin Ursula Zybach durfte über 150 Teilnehmerinnen zur Fachtagung vom 13. September 2018  im Universitätsspital Zürich begrüssen.
 
 

Folgende Themen wurde durch die drei sehr kompetenten Referentinnen präsentiert: 






Programm >>
2.25 CERPs L, 2.5 e-log BSS (auch anerkannt von SHV und SBK), 1 SVDE




Ein herz­li­ches Dan­ke­schön an das Universitätsspital Zürich, Gesundheitsförderung Schweiz und Medela AG für die Unterstützung der Fachtagung.
  


Gestationsdiabetes und Stillen – wie geht das zusammen?

Dr. med. Cora Vökt, Fachärztin Gynäkologie und Geburtshilfe FMH, Stillberaterin IBCLC

 

 
Einleitung
Durch die mit der Schwangerschaft verbundenen Hormonveränderungen kommt es zu einem erhöhten Insulinbedarf bei der werdenden Mutter. Wenn die mütterliche Bauchspeicheldrüse diesen nicht durch eine vermehrte Produktion decken kann, entwickelt sich ein Schwangerschaftsdiabetes. Wird dieser nicht erkannt oder nicht therapiert, gelangen über die Plazenta die erhöhten Blutzuckerspiegel eins zu eins ins kindliche Kompartiment und führen zu einer gesteigerten Insulinproduktion des fetalen Pankreas. Da das fetale Insulin die Plazentaschranke jedoch nicht passieren kann, bewirkt der erhöhte Insulinspiegel ein vermehrtes fetales Wachstum mit verstärkter Fetteinlagerung. Die Folge sind übergrosse und schwere Babys, welche schwieriger zu gebären sind. Das Risiko für vaginal-operative Interventionen, für Schulterdystokie mit kindlicher Plexusparese und Kaiserschnittentbindung steigt.

Wie geht es nach der Geburt weiter?
Mit der Abnabelung nach der Geburt wird der mütterliche Blutzuckertransfer sistiert. Nun fehlt das Substrat für die im Mutterleib hochgefahrene Insulinausschüttung und es kann zu schweren und anhaltenden Hypoglykämien beim Neugeborenen kommen, welche dann die Verlegung auf eine Neugeborenen-Intensivstation und damit eine Trennung von Mutter und Kind nach sich ziehen. Durch die Frühfütterung und Blutzuckerüberwachung des Neugeborenen gelingt es in den meisten Fällen, schwere Hypoglykämien zu verhindern. Untersuchungen zeigen, dass die Ernährung mit Muttermilch, d. h. mit Kolostrum, den Blutzucker beim Neugeborenen effektiver stabilisiert als die Ernährung mit künstlicher Säuglingsmilch. Da jedoch nicht alle Kinder nach der Geburt suffizient an der mütterlichen Brust trinken bzw. dies nicht einfach überprüfbar ist, empfiehlt die Schweizerische Neonatologische Gesellschaft, allen Neugeborenen mit erhöhtem Hypoglykämie-Risiko nach dem Stillen zusätzlich Säuglingsmilch anzubieten, bis genügend Muttermilch vorhanden ist. Dieses Vorgehen beeinträchtigt jedoch häufig den Stillstart und die Stilldauer.
 
Der Vortrag hilft folgende Fragen zu klären:

Folien Vortrag

Kolostrumgewinnung in der Schwangerschaft – wozu, wann, wie?

Christa Herzog-Isler; Still- und Laktationsberaterin IBCLC, Dipl. Erwachsenenbildnerin, Referentin des Europäischen Instituts für Stillen und Laktation, Ernährungsfachfrau für Kinder mit einer LKG-Spalte

 

 
Die präpartale Kolostrumgewinnung rückt im Zusammenhang mit dem Gestationsdiabetes und der Leitlinie über das Vorgehen beim Neugeborenen unmittelbar in den Vordergrund.
Bei den Neugeborenen diabetischer Mütter ist eine vorübergehende Hypoglykämie nach der Geburt zu erwarten. Um die kritische Zeit der 30 Minuten post partum abzufangen und möglichst Formulanahrung umgehen zu können, eignet sich die Kolostrumgewinnung prä-oder postpartal hervorragend.

Es werden Daten zur gesteigerten Milchmenge vorgestellt sowie Fallbeispiele mit unterschiedlichen Indikationen zur Kolostrumgewinnung.

Schwerpunkt des Referats ist das praktische Vorgehen.
Anregungen zu einem umsetzbaren Konzept für das Spital werden erläutert.
Darin enthalten sind:
  • Zuständigkeit, Überweisung, Netzwerk
  • Schriftliche Richtlinien, Schulung
  • Umsetzung intern und extern
  • Motivation der Mütter, Informationen vor der Geburt, Flyer
  • Anleitung prä- und postnatal
  • Material zur Aufbewahrung des Kolostrums
  • Rückmeldung der Mütter nach der Geburt mittels Fragebogen

 
Folien Vortrag
 

 

 

Austausch und Verkauf von Muttermilch: Risiken und Herausforderungen   

Jaqueline Barin, M.Sc., Berner Fachhochschule BFH HAFL, Lebensmittelwissenschaft, Ernährung und Gesundheit

 

 
Einführung
Die Verwendung von nicht pasteurisierter Spendermilch wird immer populärer, führt aber auch zu Kontroversen. Wie die Spendenmilch verwendet wird und wie die Muttermilch-Märkte in der Schweiz funktionieren, darüber ist jedoch wenig bekannt. Ziel der von Stillförderung Schweiz initiierten Studie war es, die Motivationen, Praktiken und Wahrnehmungen von Müttern zu untersuchen, die sich im privaten Muttermilchaustausch engagiert haben. Weiter wurden die Online-Quellen von Spendermilch untersucht bezüglich der rechtlichen Grundlagen, Preise, Teilnahme, Qualität und Sicherheit.

Methoden
Eine wissenschaftliche Literaturrecherche und Online-Marktforschung wurde zum Thema Muttermilchaustausch und -verkauf durchgeführt. Relevante Gruppen in den sozialen Medien wurden kontaktiert, um Mütter, die kürzlich Muttermilch gespendet oder erhalten haben, zu Interviews einzuladen.

Ergebnisse
Es wurden mehrere Online-Milksharing- oder -Verkaufsplattformen gefunden, jedoch mit eingeschränkter Haftung oder ohne detaillierte Informationen zur Risikoreduktion. Fünf Mütter einer Facebook-Gruppe, die an einer Muttermilchbörse teilnahmen, wurden befragt. Alle Teilnehmerinnen erlebten Herausforderungen bezüglich des Stillens und vor allem emotionalen oder mentalen Stress. Mütter von Spendermilchempfängern hatten entweder zu wenig Muttermilch, waren krank oder mussten zur Arbeit zurückkehren. Sie waren besorgt wegen des Tabus, des Unverständnisses (Verachtung) und des Stigmas, das durch die Verwendung von Spendermilch entstehen kann. Nach persönlichem Kontakt oder Online-Kontakt zu den Spenderinnen bauten die Mütter jedoch vertrauensvolle Beziehungen untereinander auf und gaben an, dass für sie die Vorteile die Risiken überwiegen. Sie zogen unpasteurisierte Spendermilch der künstlichen Säuglingsnahrung vor. Insgesamt vertrauten die Teilnehmerinnen darauf, dass die Spenderinnen nur positive und keine schlechten Absichten haben. Screenings, medizinische Hintergrundkontrollen, Bluttests und Hygieneprotokolle wurden in der Praxis unterschiedlich oder gar nicht durchgeführt.
 
Schlussfolgerung
Die Verwendung von Spendermilch ist in der Schweiz gesetzlich nicht geregelt, jedoch steigt die Nachfrage, was sich im Anstieg des informellen Spendermilchaustausches zeigt. Die Teilnehmerinnen an dieser Studie erlebten Hindernisse durch das System, während sie ihre Stillziele verfolgen wollten. Alle Teilnehmerinnen hatten positive Muttermilchaustausch-Erfahrungen, vor allem durch die Unterstützung in der Facebook-Gruppe, den Informationsaustausch und das Erreichen der Stillziele. Doch das Fehlen von medizinischer Unterstützung, Infrastruktur, Regulierung und Zugang zu Frauenmilchbanken birgt Gefahren für die Gesundheit von Müttern und Säuglingen. Die Ergebnisse dieser Studie können das Verständnis für die Bedürfnisse der Mütter fördern, um Interventionen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, klinische Praktiken und Strategien zur Förderung der Gesundheit von Müttern und Säuglingen zu unterstützen.

Das Poster zur Studie hat am Perinatalkongress den 1. Preis gewonnen.

Folien Vortrag
 


 


 

Unsere Präsidentin des Fachbeirates Katharina Quack Lötscher moderierte gekonnt die Veranstaltung und leitete die Fragerunden.

Die Referate wurden von den Teilnehmenden in überwiegender Mehrheit als sehr interessant bezeichnet.



 

 

 
 

 

  In der Pause und beim anschliessenden Apéro fand ein reger Austausch statt.


 
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